Willkommen in meinem Garten
Intuition und Rosen
Infolge der herrschenden Wasserverhältnisse gestaltet sich die Bepflanzung bis heute recht schwierig: Im Winter steht das Grundwasser – korrespondierend mit dem Wasserstand der Leine – so hoch, dass viele Stauden schon im ersten Winter nach der Pflanzung wieder eingehen. Selbst die robusten Wasserrandstauden akklimatisieren sich erstaunlich schlecht. Die meisten Stauden waren nach dem dreimonatigen Weihnachtshochwasser komplett verschwunden.
Kurz gesagt: Es sind wirklich schwierige Bedingungen, die nur wenige Pflanzen überstehen.
Überraschenderweise gehören dazu meine über hundert Rosen, die schon in den ersten beiden Jahren eingezogen sind. Inzwischen kann ich mit Fug und Recht sagen, dass Rosen doch keine empfindlichen Diven sind. Die von mir gepflanzten Sorten haben – mit wenigen Ausnahmen – die größte Hitze, zweistellige Minusgrade, hohe Winterwasserstände und sogar ein dreimonatiges Hochwasser überlebt.
Wie gut, dass ich meiner Intuition gefolgt bin und mich schon im ersten Jahr für einen Rosengarten entschieden habe! Und das, obwohl mir erfahrene Gartennachbarn prophezeit haben, dass ich alles wieder verlieren würde. Aber es sind lediglich einige der englischen Rosensorten, die ein wenig vor sich hin kümmern. Fast alle anderen Rosen haben sich sogar nach dem verheerenden Weihnachtshochwasser bestens erholt. Auch die Storchschnäbel haben sich gut geschlagen, und die Chinaschilfe sind mittlerweile so etwas wie die Chefs im Hochwassergarten.
Gartenräume
Mein Garten ist in vier verschiedene Räume aufgeteilt, die sich deutlich voneinander unterscheiden: den Stauden-Vorgarten, den Rosen-Cottage-Garten, den naturnahen Wiesen-Garten und den Gemüsegarten. Zur Unterteilung der Abschnitte habe ich berankte Raumteiler eingesetzt und variiere Farben, Formen und Pflegeintensität, um die Unterschiede zu betonen.
Als Raumteiler fungieren Hainbuchenhecken, weiße Pergolen und ein Sichtschutzzaun. Alle baulichen Trennelemente sind mit Kletterrosen und Clematis als optischen Weichzeichnern bepflanzt. Gleichzeitig bilden diese Elemente einen wertvollen Lebensraum für verschiedene Tierarten. Die Zäune und Pergolen bieten vor allem Vögeln reichlich Schutz und Anflugmöglichkeiten. Außerdem spenden sie Geborgenheit und liefern einen willkommenen Sichtschutz für uns Menschen.
Besonders wichtig bei der Gestaltung sind mir harmonische Farbkonzepte. Außer im Natur- und Wiesengartenraum beschränke ich mich in jedem einsehbarem Raum auf höchstens zwei bis drei Farben. Die Harmonie in der Farbzusammenstellung erzeugt dabei überall eine unverwechselbare Atmosphäre.
Eine wichtige Rolle bei der Planung spielt die Lage des Hauses. Sie teilt den Garten in einen Stauden- Vorgarten und einen rückwärtigen Hauptgarten mit Cottage-Flair. Die eingezogene Pergola trennt den Cottage-Garten zusätzlich vom hinteren Gemüsegarten. Das eigentlich eher schmale und längliche Areal wirkt durch diese Dreiteilung wesentlich harmonischer, und es entsteht ein Gesamteindruck, der annähernd einem goldenen Schnitt entspricht.
Gestalten mit Farbe und Stil
Mein Vorgarten ist im Stil eines Bauerngartens angelegt. Weil das Erdniveau dort etwas höher und der Boden leichter ist, halten sich Stauden hier besser als im übrigen Garten. Die Farben changieren in sanft-warmen Weiß-, Pfirsich-, Orange- und Burgundertönen.
Der von einem Katzenschutzzaun eingerahmte Hauptgarten ist eindeutig als Cottage-Garten erkennbar. Er ist geprägt durch nostalgische, einfach blühende Beet-, Strauch- und Kletterrosen in ruhigen Rosa-, Lila- und Blautönen mit Einsprengseln von Weiß dazwischen. Kletternde Rosen umgeben den Garten vor allem im Sommer wie eine schützende Dornröschen-Hecke.
Verschiedene Storchschnabelarten in Rosa und Blau umspielen die Rosen und formen weiche Beet- Ränder. Mit den Wasserrandstauden und Einjährigen, den Knollen- und Zwiebelpflanzen sowie durch Blackbox-Gardening mit Ein- und Zweijährigen entstehen – durch Selbstaussaat und mit ein wenig Nachhilfe – sehr natürliche, sich ständig verändernde Gartenbilder.
Permakultur und Schneckenplage
Der Gemüsegarten wird optisch durch ein Hochbeet und durch einen Sichtschutzzaun gegliedert, der die rückwärtige Kompostanlage den Blicken entzieht. Da ich ständig zu wenig Zeit habe und mein Fokus ohnehin eher auf Blumen liegt, verwandelt sich der Gemüsegarten im Laufe des Jahres meist in eine Art Permakultur-Garten mit viel Selbstaussaat und bodendeckenden, pflegeleichten Gemüsepflanzungen.
Mit zunehmender Wärme übernehmen in der feuchten Auenlandschaft leider meist die Schnecken das Regiment. Zur Schneckenabwehr habe ich keine Zeit und auch keine Lust. Trotzdem erreicht das überlebende Gemüse oft eine beeindruckende Größe, und die Selbstaussaaten trotzen den Weichtieren auf erstaunliche Weise.
Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen
Seit einiger Zeit bin ich dabei, einen weiteren Traum verwirklichen: Der Nachbargarten, den ich mitpflegen und -nutzen darf, ist ein naturnaher Wiesengarten, der meinem Wunsch nach einem Rückzugsraum für heimische Pflanzen und Tiere sehr nahekommt. Die rundum schützenden Hainbuchenhecken bieten Lebensraum für zahlreiche Tierarten und geben dem Ganzen auch optisch einen Rahmen.
Die Struktur ist denkbar einfach: Mit dem Rasenmäher mähe ich geschwungene Wege und kleine Freiflächen in die ansonsten ungehindert wachsenden besonnten Wiesen. Nach und nach pflanze und säe ich heimische Blütenpflanzen in die von Gräsern dominierten Heckensäume und Wiesen und beobachte mit großer Freude, wie die Biodiversität immer mehr zunimmt.